Nur wegen den Kindern mit jemandem zusammen zu sein, halte ich für den absolut falschen Weg (und löblich ist da schonmal gar nichts dran). Das wäre genauso, wenn man sagen würde man bleibt zusammen, weil es für beide Steuervorteile bringt...
Da brauche ich gar nicht drauf eingehen - der Vergleich mit dem Steuervorteil ist für mich sowas von "jenseits". Da prallen Weltsichten aufeinander, die erfahrungsgemäss absolut unvereinbar sind. Zeitverschwendung. Da wende ich mich lieber x| Soul ~ Cambio | zu, bezw. seiner differenzierten Antwort.
x| Soul ~ Cambio | schrieb:
Ich bin kein Familienvater und werde es auch nicht werden, ich habe meinen Freund. Kinder wollen wir nicht. Bei mir liegt es daran, dass ich denke, wenn Kinder da sind, hat man weniger Zeit füreinander und mega viel Verantwortung, kommt in Stress, Sorge und anderen Schwierigkeiten. Man steht sozusagen für das Kind grade.
Dein letzter Satz trifft's. Man steht für das Kind grade, hat viel Verantwortung - das kann auch was Schönes sein! Aber man muss das wollen, sonst wird es zur Belastung. Ich empfinde meine Kinder als Bereicherung - natürlich ist es oft auch schwierig mit ihnen, aber das gehört dazu. Das Leben ist nicht nur Zuckerschlecken, den schweren Seiten sollte man nicht ausweichen. Das empfinde ich als feige - oder verantwortungslos.
Und da kommen wir nun ins Philosophieren: Was ist denn eine Beziehung? "Nur" Sex? Natürlich ist die Sexualität ein wichtiger Teil - aber es gibt andere Aspekte, die (für mich) ebenso wichtig sind: Vertrauen, Nähe (geht auch ohne Körperlichkeit), Grosszügigkeit, gemeinsames Tragen von Verantwortung - das ist bei uns alles reich vorhanden. Meine Frau und ich verstehen uns unglaublich gut und das ist toll. Wenn man für Entscheidungen nicht Stunden braucht, sondern weiss, der andere sieht die Sache gleich oder ähnlich, oder er ist grosszügig und selbstsicher genug, um nicht ewig und stur auf seinem Standpunkt herumzureiten.
Ich weiss nicht, ob ich das jemandem beibringen kann, der selbst keine Familie, keine Kinder hat. Da kommen Aspekte ins Spiel, die ich mir vorher nie hätte träumen lassen. Ich würde jedenfalls nie behaupten, die Beziehung zu meiner Frau wäre unbefriedigend, und sie sagt das auch nicht von mir.
Das Fehlen von Sex empfinde ich als "das Manko" in unserer Beziehung; in anderen Beziehungen, die ich kenne, gibt es andere, oft gravierendere Mankos. Die ganze Sache mit dem Sex empfinde ich als Überbewertet. Die Formel "kein Sex = schlechte Beziehung" wurde und wird uns von den Medien unablässig eingeredet; ich empfinde sie als übertrieben und verlogen. Es gibt andere, tiefere Werte.
Darum bin ich nicht unglücklich, für "Ersatz" zu sorgen (das kuscheln und knuddeln kriege ich übrigens von den Kindern, da geh' ich schon nicht leer aus). Ich empfinde mich überhaupt nicht als unglücklichen Menschen.