Erst einmal vielen Dank für diese unglaublich ausführliche und fundierte Analyse meiner Geschichte. Hat mich wirklich unglaublich gefreut, vor allem natürlich auch, dass sie dir gefallen hat

Aber auch vielen Dank dafür, dass du dir den Aufwand angetan hast, die ganze (wahrscheinlich viel zu lange) Geschichte noch einmal von vorne bis hinten durchzulesen hast, und dass du dir bei dieser Hitze die Mühe machst, dass in Worte zu fassen. Das war bei mir anders, ich konnte die letzten Tage kaum genug konzentrieren, um auch nur ein Wort schreiben, aber jetzt will ich natürlich doch noch deine Fragen beantworten, bzw. auf ein paar Punkte näher eingehen.
Die Figuren seien wie eigene Kinder. Ich gehe sogar noch etwas weiter. Ist es hier nicht vielleicht sogar so, dass jede Figur einen Teil deiner eigenen Persönlichkeit wiederspiegelt?
Das hast du ganz richtig erkannt, alle der Hauptcharaktere im Freak-Club teilen einige Eigenschaften mit mir. Emilia hat meine Misantrophie und meinen Zynismus abbekommen, Fantasma meinen Hang dazu, ständig in Tagträume zu versinken sowie meinen legendär schlechten Orientierungssinn, Isabelle meine vollkommen naturalistische Weltsicht und Emma hat in Bezug auf das Schreiben viele Ansichten, die ich ebenfalls habe, und natürlich hat sie meine Liebe zum Lesen. Ehrlich gesagt ist mir Emma schon am ähnlichsten, sie ist am ehesten ein Spiegelbild meiner Selbst, und wie du schon richtig erkannt hast, ist der Hintergrund, wie sie zum Schreiben kommt ebenso wie ihre Emtwicklung dahingehend die meine. Allerdings ist genau das eben der Grund, warum sie sich tatsächlich alle ein bisschen wie meine Kinder anfühlen: sie besitzen nur einen gewissen Teil meiner Persönlichkeit, in vielen anderen Belangen sind wir absolut verschieden, und obwohl ich keine Kinder habe, denke ich, dass es Eltern so geht. Sie erkennen sich zum Teil in ihren Kindern wieder, müssen aber auch akzeptieren, dass sie möglicherweise komplett gegensätzliche Positionen vertreten.
Im Grunde ist das aber auch in allen meinen Geschichten der Fall. Ich schätze, es dürfte dir inzwischen schon aufgeallen sein, dass ich am liebsten über Charaktere schreibe, die Außenseiter sind, sich in der Welt immer ein wenig fehl am Platz fühlen und die gerne lesen. Da brauche ich keinen Psychologen, um festzustellen, dass ich damit meine Kindheitstraumate aufarbeite. Ich war eben immer der Außenseiter, der alleine abseits auf dem Schulhof saß und gelesen hat. Und vielleicht ist dir auch aufgefallen, dass meine Charaktere gerne mal in einem konservativen religiösen Haushalt aufwachsen, während sie selbst libertär veranlagt sind und in Bezug auf Religion mindestens ein paar Zweifel haben
Ein weiterer Punkt, der etwas überraschend kommt: Isabelle fühlt sich von den Beluas angezogen. Das wirkt etwas wie aus der Luft gegriffen. Aber das machst du mit der ausführlichen Beleuchtung über Semias Leben und Isabelles Gedankenwelt während des Aktes wieder wett. Im Nachhinein wirkt es stimmig, da Isabelle das Angebot von den Zwilligen ja abgelehnt hat und ironischerweise bei ihnen auch gar nicht zum Schuss gekommen ist, dennoch kam es überraschend, weil ihre "Tierliebe" vorher nicht angedeutet wurde, oder habe ich das übersehen?
Ähm, ja, doch, hast du egentlich. In Kapitel 6 vom "Freak-Club" kommt folgende Stelle vor:
Anders als sie erwartet hätte, war sie nicht die einzige, die bei dieser Stellung an Hunde denken mußte. Isabelle erging es ebenso, nur daß sie es vorzog, sich allein Emma als solchen vorzustellen, der sich hemmungslos über die junge Schülerin mit den gewellten roten Haaren hermachte. Mit einem kurzen Seitenblick auf Fantasma fragte sie sich, ob ihr vielleicht ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen, immerhin war sie nahezu ständig in Tagträumen versunken, und auch jetzt wirkte sie nicht unbedingt hochkonzentiert. Allerdings lag sie mit dieser Überlegung falsch. Sie war weit davon entfernt, über irgendwelche Tiere beim Sex zu phantasieren, tatsächlich verfolgte sie das Geschehen mit voller Aufmerksamkeit, wenn ihr Interesse dabei auch vor allem Emmas rundem ausgestrecktem Po galt, der betörend auf und ab wackelte.
Zum Glück ahnte Isabelle nichts von ihrem Irrtum. Es hätte ihrem ohnehin nur schwach ausgeprägtem Selbstbewußtsein nur geschadet, obwohl sie bereits vermutete, die einzige zu sein, die derartige Anwandlungen befallen hatten. Sie konnte sich auch gar nicht erklären, woher die so plötzlich gekommen waren. Es war das erste Mal, daß ihr sonst so kühler Verstand ihr Bilder dieser fraglos verwerflichen Richtung eingab. Gesegnet mit der analytischen Veranlagung, die ihr schon immer eigen gewesen war, kam sie nicht umhin, ergründen zu wollen, wie sie überhaupt auf so etwas abartiges gekommen war. Vielleicht war es ja nur die Unvereinbarkeit der Gene, die sie an so einer Verbindung faszinierte? Unmöglich war das natürlich nicht, doch bezweifelte sie diese Idee sofort wieder. Instinktiv spürte sie, daß die eigentliche Ursache dafür viel tiefer in ihrer Persönlichkeit verborgen lag als ihr Hang zu den Naturwissenschaften und viel dunkler war, als sie sich eingestehen wollte.
Doch was auch immer der Auslöser letztlich war, es blieb unbestreitbar, daß diese Imagination, zu der sie der Anblick der zwei Halbdämoninnen verleitet hatte, sie bis zu einem Grad weit jenseits aller Zurückhaltung anmachte.
Ist aber abslout verständlich, dass dir das nicht aufgefallen ist, das ist ja nur ein kurzer Augenblick in einer sehr ausschweifenden Sex-Szene mit vielen Charakteren und ihren unterschiedlichen Ansichten. Aber das war eben schon fester Bestandteil meines Plans, noch ehe ich ein Wort vom "Freak-Club" geschrieben habe. Alle finden die Liebe ihres Lebens, nur Isabelle bleibt für sich, stellt ihre Ambitionen über alles andere und kommt irgendwann zu dem Schluss, sich ihre Befriedigung in ihrer Vorliebe zu Tieren zu suchen. Das war eben mein Gedankengang: im "Freak-Club" stellt sie fest, dass sie sich zu Tieren hingezogen fühlt, im zweiten Kapitel von "Liebe und Verdammnis" erkennt sie, dass sie nicht dazu geschaffen ist, eine Partnerschaft mit einem Menschen (oder zwei Dämoninnen) einzugehen, und in Kapitel 4 stellt sie sich endlich diesem Verlangen.
Deine Angst um eine gewagte physikalische Erklärung der Schattenkräfte kann ich nachvollziehen. Ich habe tatsächlich Physik studiert. Sei beruhigt, dein Ansatz ist so unkonkret, dass man da nicht wirklich etwas dran falsch sehen kann. Aber auch so unwahrscheinlich, dass man es niemals wirklich als mögliche Erklärung heranziehen würde. Deine sehr verkürzte Darstellung von der Entstehung eines Planeten und eines Umfeldes, in dem Leben entsteht, ist hingegen nicht wirklich falsch, aber in der vereinfachten Form nicht tragbar. Aber egal, es sind zwei kurze Absätze, die im Rahmen des langen Textes eigentlich keine Rolle spielen.
Mehr wollte ich eigentlich auch gar nicht. Für mich ist es völlig ausreichend, dass Isabelles Erklärung im ersten Moment nicht völlig falsch aussieht, bei genauerer Betrachtung aber unplausibel ist. Ist im Prinzip sogar umso stimmiger, es ist ja nur die voläufige Hypothese einer (wenn auch überdurchschnittlich intelligenten) 13jährigen, die sich mit einem Phänomen konfrontiert sieht, für das sie keine Erklärung hat. Und was die Entstehung von Planeten und Leben auf ihnen angeht, war mir schon klar, dass ich das verkürzt darstelle. Anders als Isabelle habe ich zwar keine besondere Ahnung von den Naturwissenschaften, auch wenn ich wenigstens sehr an ihnen interessiert bin, aber dafür, dass meine Schulzeit schon Ewigkeiten zurückliegt und ich nur hin und wieder mal gerne eine Doku schaue, finde ich das gar nicht so schlecht
Ich bin auf die Fortsetzung mehr als gespannt.
Hm, um ehrlich zu sein habe ich nach diesem ganzen Lob irgendwie das Gefühl, den Erwartungen gar nicht gerecht werden zu können, aber ich verspreche, ich tue mein Möglichstes, um es wenigstens zu versuchen
